FOREST IN MAY

"Does anyone remember laughter?"

Mittwoch

16

Juli 2014

6

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Definitiv nein.

Kein Geheimnis, dass ich mich sehr oft in letzter Zeit frage, wer ich eigentlich sein will. Was für ein Mensch möchte ich sein, was für eine Art Freundin, was für eine Frau will ich darstellen? Da es seit Jahren immer nur zeitweise oder überhaupt keine Antworten auf diese Frage gibt, ist mir gestern beim Zugfahren etwas aufgefallen: Ich weiß zwar nicht, wie ich sein möchte, aber ich weiß definitiv, wie ich nicht sein möchte.

Im Zug trifft man die unterschiedlichsten Menschen und lernt sie ein bisschen kennen, wenn man regelmäßig mit dieser Linie fährt. Man sieht ihre Angewohnheiten, ihre Launen, manchmal sogar Charakterzüge, und das alles ohne mit ihnen sprechen zu müssen. Ich als guter Beobachter bin da Weltmeister drin.

Also: Was für ein Mensch möchte ich definitiv nicht sein?

Der ignorante Anzugträger. Jeden Mittag, 10 Minuten vor Abfahrt, sucht sich dieser Mann einen Platz. Um diese Zeit sind viele Sitze belegt und in den Vierern nur noch stellenweise Plätze frei. So guckt er übel gelaunt umher und drängt sich in einem Vierer, in dem bereits drei Leute sitzen. Ohne mit der Wimper zu zucken dreht er sich vor seinem Platz, zieht weitläufig seinen Mantel aus und trifft dabei meistens einen Nebensitzenden. Ohne Entschuldigung hängt er seine Klamotte am Haken auf, geht wieder raus (tritt dabei meistens gegen die Knie der Sitzenden) wirft seinen Koffer lauthals auf die Gepäckablage und mogelt sich wieder zum Platz zurück. Nach der Hälfte der Fahrt fällt ihm auf, dass er die Zeitung in der Aktentasche hat. Dasselbe Spektakel, bis er das Kreuzworträtsel lösen kann. Die ganze Zeit sitzt er verkrampft, vermeidet Augenkontakt und blickt neue Einsteiger herablassend nach. Jugendliche werden demonstrativ ignoriert oder übergangen.

Die “täglich grüßt das Murmeltier”-Frau. Sie kommt immer mit einer Tüte vom Bäcker in der Bahnhofshalle und einem schwarzen Kaffee in mein Abteil. Sie trägt jeden Tag dieselbe Jacke – egal ob Winter oder Sommer – dieselben Schuhe, immer eine Jeans. Was unter der Jacke ist, weiß ich nach Jahren nicht. Sie isst immer ungesundes Zeug, sieht auch dementsprechend aus. Ihre Wangen sind immer rot gefärbt weil die Anstrengung Treppen hochzulaufen ihr schon zu viel ist. Das Abteil riecht immer nach ihrem Essen, denn beim Bäcker holt sie sich meisten eine Backpizza. Sie kramt ein iPad aus ihrer abgenutzten Tragetasche raus um CandyCrush (früher eher FruitNinja oder wie das heißt) zu spielen, hört von einem alten MP3-Player Schlagerlieder und schaut während der gesamten Zugfahrt nicht einmal aus dem Fenster. Auf Fragen wie “Ist Ihr Nebenplatz frei?” reagiert sie nicht, blickt nicht vom Tablet hoch, nickt nicht mal. Einmal ist der Akku vom iPad mitten in der Zugfahrt ausgegangen. Die restliche Strecke hat sie nervös mit den Beinen gewippt, mit den Daumen gedreht und guckte grießgrämig zwischen Fenster und Armbanduhr hin und her.

Der permanente Meckerer. Eigentlich sind es zwei – der still leidende Zuhörer (“Ja-Sager”) und der laut leidende Übertreiber (“Nein-Sager”). Sie kommen immer zusammen, ich schätze sie arbeiten gemeinsam, haben dieselben Arbeitszeiten und lassen sich im Zug jeden Tag lauthals über ihren Beruf aus – jedenfalls der eine. Der findet dies zum kotzen, jedes zum seufzen, und meistens ist sowieso alles für den Arsch und wieso er dort nach Jahren noch arbeitet weiß er gar nicht. Der Chef hat keine Ahnung, die Kollegen sind Kameradenschweine und die Sekretärin könnte auch mal ihren fetten Arsch vom Sitz hochbewegen. Der Azubi ist ein Nichtskönner, der Praktikant nur als Kaffeekjocher zu gebrauchen, der Kantinenfraß widert ihn an. Das Wetter ist entweder zu heiß, zu kalt, zu nass, zu trocken. Der Zug ist zu laut, hat zu wenig Sitzplätze, ist zu voll oder stinkt. Der Lokführer hat seine Zulassung aus der Türkei, der Fahrscheinkontrolleur macht seinen Job auch nie richtig. Generell ist das Leben doch ziemlich scheiße und all seine Äußerungen (die man durch den ganzen Zug hört) werden von seinem Kollegen zwischenzeitlich sehr kleinlaut bejaht, ohne dass dieser auch nur einen Funken eigener Meinung zeigt.

Sicher kennt jeder Menschen, die einem zeigen, wie man nicht sein möchte. Welche Charakterzüge sind für euch ein No-Go, oder halten sich diese Eigenschaften immer relativ zur allgemeinen Lebenseinstellung? Wenn man sich genau vorstellen kann, welche Art Mensch man keinesfalls sein möchte, wird man automatisch zu der Person, die man gerne wäre. Sehe ich zum Beispiel den Anzugträger, gebe ich besonders Acht auf meine Umwelt, lächel einfach mal Fremde an die einen schlechten Tag zu haben scheinen. Bei der Murmeltierfrau fällt mir ein, nicht in alte Muster zu fallen und weiterhin viel Abwechslung in mein Leben zu bringen. Der permanente Meckerer aber macht wohl den größten Unterschied aus: Plötzlich finde ich meine Probleme gar nicht mehr so schlimm und lache eher über sie. Außerdem erinnert er mich am meisten von allen daran, dass nur wir selbst unser Glück in der Hand haben. Gefällt dir dein Leben nicht? Dann ändere es. Bild’ dir im Gegensatz zum Ja-Sager deine eigene Meinung und steh dazu, werde kein Mitläufer, vegetiere nicht vor dir her und lass negative Menschen nicht dein Umfeld beherrschen.

Schaut doch mal bei mir in Instagram vorbei,
da lasse ich häufiger was von mir hören als hier! ;)
Instagram: forest_in_may

Montag

7

Juli 2014

2

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(Wandern) “Und wenn Natur dich unterweist, dann geht die Seelenkraft dir auf.”

Ein unbegreiflich holdes Sehnen
Trieb mich, durch Wald und Wiesen hinzugehn,
Und unter tausend heißen Tränen
Fühlt ich mir eine Welt entstehn.
(Goethe – Faust)

Ähnlich wie in Goethes Worten treibt es auch mich häufig in den Wald, aus Gründen die ich mir nicht erklären kann. Letztes Wochenende habe ich mit einer Freundin einen großen Naturpark erkundet, der nur 15 Autominuten von mir entfernt liegt. Bei ersten Erkundungen habe ich lieber jemanden dabei, auch wenn ich mich auf erstaunlich sichere Weise in Wäldern so zurecht finde, als wäre ich dort Zuhause. Aber sicher ist sicher, mit Wildschweinmüttern ist zum Beispiel im Alleingang nicht gut Kaffee-trinken.

Schon die Parkplatzsuche erwies sich als schwierig: Zurecht versuchen die Förster Besucher wegzuhalten und fangen dabei schon mit der Parkplatzsituation an. Der Naturpark ist deshalb relativ unbesucht, was sicher nicht am spröden Regenwetter lag. Schnell machten wir uns lautlos und behutsam auf den Weg ins innere des Waldes, trafen dort auf verwunschene Lichtungen, verschiedene Wasserlöcher, erkundeten das Damhirsch-Gebiet und trafen im Wildschwein-Gebiet sogar auf Frischlinge. Zwischendurch gab es immer noch Zeugnisse von gedankenlosen Menschen: Wie findet eine Bierpulle ihren Weg ins tiefste Waldgebiet?

Am größten Wasserloch fanden wir dann verschiedene Herden von Rot- und Damhirschen die friedlich mit ihren Kitzen tranken – ein wundervoller Anblick. Das Wasserloch selbst dient außerdem auch den Wildschweinen nebst vielen weiteren Matschgruben ebenso als Schlammbad, wie man an einem Rand erkennen konnte. In den Wildschwein-Territorien sah es am Boden aus, als wären Bomben eingeschlagen, so heftig umgewühlt waren viele Waldstücke. Man konnte genau sehen, in welchem Gebiet sich welche Tierart vorrangig aufhält, wir haben frische Spuren verfolgt, Rastplätze gefunden, Bäume an denen bis zu 2,50m Höhe die Rinde komplett abgenargt war und ich habe sogar einen Teil vom Oberschenkelknochen eines Hirsches gefunden. Es gab Pilze, die ihre Sporen bei Berührung wie eine schwarze Rauchbombe in die Luft sprühten und Fingerhut blühte an vielen Stellen in hohen Mengen. Besonders beeindruckend waren die hohen Fichtenwälder, in denen durch den letzten großen Sturm einige Bäume umgeknickt sind. An den dichtesten Stellen konnten die Bäume nicht zu Boden fallen, sondern nur in die Nachbarbäume hineinkippen und haben sich in diesen stark verankert. Bei jedem Windstoß gab es ein markerschütterndes Knirschen und Quietschen, was ich noch niemals im Leben gehört habe. Es ist erstaunlich, wie klein man sich fühlt wenn man dort mittendrin steht. Man kann nicht anders als Wehmut zu empfinden, wenn eine riesige Rothirschkuh (Rückenhöhe 1,50m!) in  nur 3m Entfernung laut mit den Nüstern schnaubt.
Nun, da ich die besten Stellen kenne werde ich mich bald im Morgengrauen auf die Lauer legen um einige Rothirsche im momentan häufigen Nebel zu fotografieren. Ob das funktioniert und wie lange ich dort verharren muss, erfahrt ihr sicher als erstes auf Instagram!

Die goldenen Regeln wenn es darum geht, auf eigene Faust ein Waldgebiet zu erkunden:

• take nothing but pictures (Nichts mitnehmen, nur Fotos machen!)
• leave nothing but footprints (Hinterlasse nichts außer Fußspuren!)
• kill nothing but time (Töte nichts – verbringe friedlich Zeit dort)

Es ist enorm wichtig, dass man sich unauffällig und still verhält. Wir wollen erkunden – nicht stören. Gerade an Rastplätzen oder Wasserlöchern sollte man nicht viel Zeit verbringen, damit man den Ort durch seinen Menschengeruch nicht “entfremdet”. Nehmt nichts mit, es sei denn ihr findet zurückgelassenen Müll (für den Fall habe ich immer eine Tüte dabei). Gegen Souvenirs wie Steine oder Knochen, vielleicht auch mal Beeren oder Pilze (informieren, welche ungiftig sind!) ist sicher nichts einzuwenden – nur reißt keine Blumen ab und ritzt auch nichts in Bäume – lasst die Natur möglichst so, wie sie ist! Wenn möglich vermeidet es Spuren zu hinterlassen. Wenn ihr Wanderwege von Tieren findet, lauft nicht in ihnen sondern in Entfernung daneben, um auch diese nicht zu verfälschen und keinen Geruch zu hinterlassen. Das gleiche gilt für die Gebiete, in denen Wildschweine auf Nahrungssuche den Boden umgepflückt haben. Dort setzt sich nun ein Kreislauf von Pflanzenwachsum in Prozess.
Besonders wichtig im Frühjahr/Sommer: Finger weg von Wildbabys! Wenn ihr Frischlingen (Wildschwein Babys) begegnet macht euch ohne Aufmerksamkeit zu erregen besser aus dem Staub – die Mutti kann ganz schön wütend werden und dagegen habt ihr wenig Chance. Auch zurück gelassene Kitze solltet ihr weder anfassen noch solltet ihr lange bei ihnen verweilen: Mütter legen diese bei Gefahr oder wenn sie neue Futterstellen erkunden dort ab und holen sie später wieder. Kitze haben keinen Eigengeruch, damit Fressfeinde sie nicht wittern können – Menschengeruch wird also sofort wahrgenommen, das Kitz von der Mutter nicht mehr akzeptiert. Abstand halten, angucken und süß finden, dann besonders ruhig weitergehen (das Kitz nimmt die Bodenerschütterung wahr – geht besonders vorsichtig um es nicht weiter zu verängstigen!).

Wenn man all diese Richtlinien nicht befolgen kann, sollte man einfach auf den vorgefertigen Wegen bleiben. So kann nichts passieren und wenn man sich dort ebenfalls ruhig verhält, sieht man mit etwas Glück auch Wildtiere.

Übrigens: Der eingeschleppte Riesen-Bärenklau ist giftig! Er sieht ähnlich aus wie unser einheimischer Bärenklau, allerdings ist dieser giftig und wird bis zu 4m groß. Sichtungen sind dem örtlichen Ordnungsamt zu melden! Der Riesen-Bärenklau verdrängt durch seine enorme Größe und seinen Wasserdrang unsere einheimischen Wildpflanzen und vermehrt sich unheimlich schnell, da er keine natürlichen Feinde hier hat. Ich habe kürzlich erst ein Waldgebiet gesehen, was von diesen Pflanzen völlig übersäht war. Man kommt sich vor wie auf einem anderen Planeten, da die Blüten alles überragen und so utopisch groß wirken! Die Pflanze kommt übrigens ursprünglich aus dem Kaukasus (Asien). Dort hacken Einheimische die Pflanze ab, trocknen die Stängel und benutzen diese als Flöte. Mehr Infos zur Pflanze und Bilder dazu hier.

Montag

30

Juni 2014

8

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Wohin will ich eigentlich?

Wer bin ich und wo will ich eigentlich hin? Eine Frage, die sich wohl jeder mindestens einmal in seinem Leben stellt, meistens sogar öfter. Erst zur Schulauswahl, dann wenn das Interesse für Mode und Musik geweckt wird, ernster wird es wenn es an die Berufswahl geht, und fast endgültig wird es zur Zeit des ersten Umzuges. Die Gedanken kommen nach Trennungen aller Art, nach einer eintönigen Phase, bei Krankheit oder Zwangsurlaub und besonders dann wenn man merkt, dass man in seinem eigenen Leben nur Mitläufer ist anstatt es selbst zu bestimmen.
Es gibt Tage, an denen kann ich herauskristallisieren, wie diese Phasen bei mir entstehen. Meistens packen mich diese Fragen, wenn ich lange keine Veränderung erkannt habe oder wenn Dinge passieren, die absolut nicht in meiner Hand liegen. Am schlimmsten ist es, wenn beide Gründe aufeinander treffen und zeitgleich passieren. Jeder um dich herum entwickelt sich, ist mutig, kommt im Leben weiter, findet heraus wie er sein Leben gerne mal leben möchte oder lebt einfach den Moment und in deinem Leben passieren Dinge, die dich total aus deiner vorgestellten Bahn werfen. Das Leben lacht dir ins Gesicht – aber auf keine schöne Weise. Du kannst deinen Job nicht kündigen weil er deine Lebensgrundlage ist. Eigentlich dachtest du immer, du lebst für deinen Job und jetzt fragst du dich: Bin ich mein Job? Und wenn ich meinen Job nicht gut mache, heißt das automatisch das ich selbst nicht gut genug bin? Wodrin bin ich sonst gut, wenn man sich jahrelang mit dieser Sache identifiziert und diese Tätigkeit das ist, wofür du alles geopfert hast?

Man stellt alles in Frage. Restlos alles. Jahrelang habe ich als Einzelgänger gelebt – glücklich damit. War nie die Art Mensch, die viele Leute um sich haben wollte. Es gab immer maximal zwei Vertrauenspersonen und sonst niemanden. Ich habe mein Dorfleben geliebt, die Abgelegenheit, die Selbstständigkeit, die Ordnung und die Ruhe. Jetzt frage ich mich: Was, wenn dieses Leben was ich mir jahrelang aufgebaut habe und immer für mein Ideal hielt nicht mehr gut finde? Was, wenn ich in einem Jahr feststelle, dass dieses Leben nicht das ist, was ich führen möchte? Würde ich den Mut besitzen, alles umzukrempeln? Vielen – vielleicht sogar allem – den Rücken zu kehren? Oder ist das nur eine Laune die vorüber geht?

Momentan habe ich einfach Angst eines Tages aufzuwachen und festzustellen, dass ich mir mein eigenes Unglück herbei gezüchtet habe im Glauben, das Richtige zu tun. Um mich herum verändert sich alles, aber eine eigene Veränderung liegt nicht in meiner Hand, dafür ich kein Platz, auch wenn ich die Prioritäten neu ordne. Gibt es wirklich diese Zeiten, in denen man einfach abwarten sollte? Einfach zugucken, wie eine Kernschmelze im Gange ist und dabei Tee trinken?


 

 

Montag

2

Juni 2014

5

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Not everyone you lose is a loss.

Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich irgendwo ein Fenster. Jedenfalls ist das ein Spruch, den meine Eltern immer gerne sagen, wenn sich Menschen auseinander leben. Diese Erfahrung hat jeder in seinem Leben machen müssen, oftmals sogar mehr als ein Mal. Mir passiert das ständig. Mittlerweile habe ich gelernt, daraus das Beste zu machen und den Entwicklungsprozess der dazu führte anzuerkennen. Ich gebe mich keinen gezwungenen Konversationen mehr hin und kämpfe für niemanden, der nicht unbedingt zu meinem Leben gehören will. Doch woran merkt man, für wen man kämpfen sollte und für wen nicht?

Egal in welcher Beziehung: Selbstrespekt ist alles. Wer euch nicht schätzt, sollte auch nicht die Chance haben, eure Launen und Gefühle zu kontrollieren. Wer die Konsequenzen seines eigenen Handelns nicht versteht, sollte diese am eigenen Leib spüren. Was dich dauerhaft unglücklich macht, darf einfach nicht zu dir gehören. So ist die Theorie. Das die Praxis meist viel schwieriger ist und von viel mehr Faktoren geprägt ist, vergesse ich gerne dabei, wenn es um andere geht. Für mich selbst klappt das ganz gut: Menschen lieben dich nicht, Menschen missbrauchen dein Vertrauen oder zerstören das Band zwischen euch – dann lass diesen Menschen los. Kann ich prima. Wenn du erstmal anfängst die negativen Menschen aus deinem Leben zu bannen fällt es dir immer leichter, schlechtes aus deinem Umfeld zu entfernen. Dir fällt das nicht nur bei Freunden einfach, sondern auch bei den Gegenständen in deinem Zimmer, bei den Aktivitäten die du verfolgst und letztendlich kannst du dich auch in der Liebe nur den jenigen hingeben, die es ohne jeden Zweifel verdient haben. Zwischen diesem Freischaffen von Negativität und dem Anfang von Isolation besteht allerdings ein schmaler Grad. Ich selbst bin lange auf diesem Grad gewandert, immer mal zwischen den Fronten hergesprungen und letztendlich auf der richtigen Seite gelandet.

Je kritischer du mit deinem Umfeld umgehst, desto glücklicher machen dich die Dinge, die du beschließt in deinem Leben zu halten. Du bringst nicht nur anderen Menschen bei dich zu schätzen – umgekehrt schätzt du diese Menschen auch viel mehr. Im Ganzen betrachtet hilft dir das, Liebe zu entwickeln.

Was tun wir aber, wenn das ganze nicht so leicht fällt? Wenn deine Vorgehensweise zwar richtig und absolut nachvollziehbar ist, dein Herz sich aber nicht losreißen kann? Dann beginnt wohl ein weiterer Gang zwischen zwei Fronten: Dem Herz und dem Hirn. Du erkennst, dass Menschen von denen du dachtest, dass sie dich besser kennen als jeder andere, genau dies zu ihrem Vorteil gemacht haben. Das du dich öffnest ist wie eine Zielscheibe für ihr Messer und anschließend fragen sie dich sogar noch, weshalb du blutest. Du verstehst nicht und verzerrst dich nach dem Ursprung eurer Beziehung, nach dem stundenlangen Reden ohne Urteilen, nach dem Verhalten ohne lächerlich auszusehen. Das Leben ohne Messer im Rücken. Und plötzlich siehst du in jeder Tat, in jedem Umgang nur noch ein Kriegswerkzeug. Dein Herz schreit, dein Kopf hält es fest. Da ich diese Situation noch nie durchgemacht habe, kann ich keinen möglichen Ausgang beschreiben. Vielleicht werde ich ewig Vermissen, ewig zwischen den Stühlen stehen, aber dann erinnere ich mich an den Spruch meiner Eltern: Es öffnet sich ein Fenster. Plötzlich öffne ich mich jemand ganz anderem auf eine Weise, wie ich es noch nie erlebt habe und da merke ich mal wieder die Macht des großen Ganzen: Alles hat seinen Sinn. So schmerzvoll und so unfair viele Erfahrungen sind, sie müssen gemacht werden, um dich heranwachsen zu lassen. Nur so kommst du auf deinen Lebensweg, triffst die Menschen die dein Herz erfüllen und bist dann auch wirklich bereit für sie.